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| 11.07.2002 | Neue Luzerner Zeitung | Andrea Elmer | «Shops schiessen wie Pilze aus dem Boden» |
«Shops schiessen wie Pilze aus dem Boden»
Die Gemeinde Horw soll aktiver gegen den Missbrauch von Cannabis vorgehen. Das verlangt die CVP-Einwohnerrätin Pia Christen.
Der Horwer CVP-Einwohnerrätin Pia Christen brennt ein Thema arg unter den Nägeln. Gleich zwei Vorstösse aufs Mal hat sie deshalb beim Gemeinderat deponiert, um auf das «Riesenproblem» aufmerksam zu machen: den Missbrauch von Cannabisprodukten. Denn: «Das Kiffen erfreut sich bei Kindern und Jugendlichen immer grösserer Beliebtheit», stellt Pia Christen fest.
«Tabuthema»
Konkret macht sie sich um jene Jugendlichen Sorgen, die «täglich oder mehrmals in der Woche Cannabisprodukte konsumieren», wie die CVP-Politikerin in ihrem Postulat festhält. Dies sei noch immer ein Tabuthema, das nicht offen diskutiert und aus diesem Grund bagatellisiert werde, findet sie, und: Cannabisprodukte würden zunehmend missbraucht, was verheerende Konsequenzen habe. Deshalb ist für die Einwohnerrätin klar: «Es besteht ein enormer Handlungsbedarf.»
Pia Christen betont, dass es ihr bei dieser Intervention nicht darum gehe, den Jugendlichen das Kiffen «wegzunehmen». «Ich würde nicht sagen, dass Cannabis schlechter ist als etwa Alkohol.» Sie erachte es vielmehr als wichtig, dass Jugendliche lernen würden, mit Drogen umzugehen. Dafür aber sei eine breite Aufklärung und Prävention nötig - eine Aufgabe, bei der die Gemeinde eine aktivere Rolle einnehmen solle.
Was will der Gemeinderat tun?
Wissen will Christen daher vom Gemeinderat, wie er den jetzigen Stand an den Horwer Schulen beurteilt, auch ob er die «Notwendigkeit» einer umfassenden und gezielten Drogenaufklärung und Suchtprävention erkennt. Eine Idee, die Pia Christen geprüft haben möchte: die Drogenaufklärung und Suchprävention als festen Bestandteil in den Schulunterricht zu integrieren.
Anstatt nach dem «3-Äffchen-Prinzip» so zu tun als ob nichts wäre, fordert Pia Christen zudem den Gemeinderat auf, mit geeigneten Fachstellen wie etwa der Fachstelle für Suchtprävention gezielte Öffentlichkeitsarbeit zu machen und zu fördern. Eltern seien oft «unterinformiert» und daher - wie auch Lehrer - mit der Situation «völlig überfordert», sagt die CVP-Politikerin.
Zwei «dubiose» Läden in Horw
In ihrem zweiten Vorstoss, der Interpellation, richtet Christen das Hauptaugenmerk auf die «Läden, die unter anderem auch Hanfprodukte anbieten». Diese würden wie Pilze aus dem Boden schiessen, schreibt Christen. In Horw existierten bereits zwei dieser «dubiosen» Läden. «Unter dem Deckmantel, T-Shirts und anderes zu verkaufen, machen sie mit den Cannabisprodukten das grosse Geld», ist Pia Christen überzeugt.
Sie will vom Gemeinderat wissen, wie gut er über die Verkaufsangebote informiert ist, auch ob ihm bekannt ist, dass so genannte Dufthanfsäckchen zum Rauchen von Joints verwendet würden.
«Polizei setzt am falschen Ort an»
Was Christen in den beiden Vorstössen nicht erwähnt, ihr aber ebenfalls ein Dorn im Auge ist: die Vorgehensweise der Polizei. «Anstatt dass sie gegen die Verkäufer hart vorgeht, schaut die Polizei zu, wie die Jugendlichen im Laden Cannabis kaufen und behandelt sie hinterher wie Schwerverbrecher», ärgert sich Pia Christen. Ihrer Meinung nach setzt die Polizei am falschen Ort an. Für sie ist klar, dass die Polizei den Ladenbesitzern auf die Finger schauen sollte. Etwas, das sie auch von der Gemeindebehörde erwartet.
ANDREA ELMER
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