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25.01.2003Bieler TagblattBeat GehriKiffen ist indirekt leistungsfördernd

Kiffen ist indirekt leistungsfördernd

Das Baspo Magglingen erarbeitete ein Merkblatt, das es klar an den Tag bringt: Cannabis und Sport vertragen sich nicht. Kiffen kann Doping sein - und hat deshalb im Sport keinen Platz.

Beat Gehri

«Es gibt Sportverbände, die Cannabis bereits heute auf die Dopingliste setzen», weiss Anton Lehmann, Fachbearbeiter am Bundesamt für Sport (Baspo), und mit Maja Schaub Reisle Autor des Merkblattes «Cannabis und Sport». Die Kontrolle ist an und für sich durch diverse Tests einfach, das folgende Verfahren jedoch nicht. «Bis zu drei Wochen rückwärts», sagt Lehmann, «kann Cannabis-Konsum eindeutig nachgewiesen werden.» Speziell in den neuen Trendsportarten, aber auch bei vielen talentierten Jugendlichen ist das Kiffen in. In erster Linie wird zwar zum Vergnügen gepafft - und nicht um eine Leistungssteigerung zu erreichen. Deshalb ist die Bestrafung nicht ohne Probleme.

Beruhigt und entspannt

Denn eines ist klar: Das Kiffen hat nur unmittelbar vor oder nach dem Wettkampf Einfluss auf die sportliche Leistung. Lehmann: «Es hat eine psychoregulierende Wirkung, die, gezielt eingesetzt, Vorteile bringen kann.» Es beruhige nervöse Athleten vor dem Wettkampf und entspanne sie nach dem Wettkampf - was die Erholungszeit beschleunigt. Lehmann: «Somit ist eine Leistungsmanipulation, also eine Dopingmentalität, erwiesen.» Aber eben: Nicht nach Konsumation an einem fröhlichen Abend unter Sportskollegen, wenn erst eine Woche später ein Wettkampf folgt. «Der sich abzeichnenden Strafbefreiung der Konsumenten hat der Nationalrat ja bereits zugestimmt», so Lehmann, «also könnte die Bestrafung im Sport zu einem Einschnitt in die Privatsphäre der Sportler werden, was uns verpflichtet, die präventiven Anstrengungen im Sport zu verstärken.»

Dies dürfte mit ein Grund sein, weshalb Cannabis nicht offiziell auf der Dopingliste nationaler und internationaler Verbände steht.

Nachteile für Dauerpaffer

Für Dauerpaffer gelten in bezug auf sportliche Leistungen andere Gesetze. Im Magglinger Merkblatt werden denn auch scheinbare Vorteile des Cannabis-Konsums relativiert und zum Teil auch widerlegt. «Regelmässiges Kiffen», sagt Anton Lehmann, «wirkt sich negativ auf die Leistung aus, ist ungesund und macht psychisch abhängig.» Es beeinträchtige unter anderen die Emotion, gewinnen zu wollen. Lehmann: «Es stellt sich eine gewisse Gleichgültigkeit ein, die oft im Abbruch einer Leistungssportkarriere endet.»

Diplomarbeit über Cannabis

Mehr Informationen erhofft sich Lehmann von einer Diplomarbeit, die momentan mit den als Kifferliga verschrieenen Snowboardern gemacht wird. Zwei Sportstudenten der ETH, mit gutem Zugang zu den Cracks, führen unter seiner Leitung eine Befragung über allfälligen Konsum von Cannabis und die Auswirkung im Leistungssport durch.

Das Merkblatt «Cannabis und Sport» kann bis zu zehn Exemplaren gratis am Baspo, 2532 Magglingen, bezogen werden.

Es geht auch ohne Cannabis

bg. Das Baspo ist im Problemfeld «Sport und Cannabis» ganz klar an eine Präventionsaufgabe gebunden. Deshalb spricht man offen über mögliche positive und negative Auswirkungen des Kiffens. Aber der Grundton in der Magglinger Sportschule ist klar: «Kiffen hat im Sport auf keinen Fall Platz», betont Lehmann.

Für Sportler, die Mühe bekunden, ihre Nervosität zu steuern und nach dem Wettkampf oft lange nicht die Erholungsphase erreichen, verweist Lehmann, «es gibt einige andere Rituale». Das könne mit Yoga, Stretching oder anderen Entspannungsmöglichkeiten erreicht werden, «die Palette der Möglichkeiten ist gross - und reicht bis zum Sex».

Bereich: SportSponsor: hanfarchivbearbeitet von: hanfarchiv