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| 26.04.2003 | Der Bund | Simon Jäggi | Sträflinge gegen Schwarzmarkt |
Sträflinge gegen Schwarzmarkt
12'600 Berner und Bernerinnen unterschrieben «Petition für Vernunft - für einen friedlichen Umgang mit Hanf»
In Sträflingskleidung haben gestern zwei Berner Hanfgrup-pen bei den Bundesbehörden eine Petition eingereicht. Sie fordern, Razzien gegen Hanf-läden einzustellen, um das Aufblühen des Schwarzmarkts zu stoppen.
Simon Jäggi
Gestern haben die Berner Sektion der Schweizerischen Hanf-Koordination (SHK) und die Interessengemeinschaft Hanfläden der Stadt Bern (IGHSB) die «Petition der Vernunft - für einen friedlichen Umgang mit Hanf» den Bundesbehörden übergeben. 12'600 Bernerinnen und Berner unterzeichneten die Petition. Gesammelt wurden die Unterschriften grösstenteils in Hanfläden der Stadt Bern.
«Die Petition richtet sich an die Behörden von Stadt und Kanton Bern», sagt Willi Blaser, Vizepräsident der SHK-Sektion Bern. Die gemeinsame Aktion der Berner Hanfgruppen ist eine Reaktion auf die verschärfte Repression und die Grossrazzien in ungefähr einem Dutzend Hanfläden im September des letzten Jahres. Etliche Berner Hanfläden schlossen daraufhin, andere verkaufen seither keine so genannten «Duftsäckchen» mehr.
Mit Blick auf das neue Gesetz
In ihrer Petition fordern die Initianten die Behörden auf, «von unnötigen Schliessungen von Hanfläden abzusehen». Zudem wünschen sie sich, dass die Behörden das Gespräch mit Branchenvertretern und Konsumenten aufnehmen, «um zukunftsträchtige Lösungen zu finden». Wahrscheinlich wird noch in diesem Sommer das revidierte Betäubungsmittelgesetz verabschiedet. Willi Blaser: «Wir starteten die Petition auch im Hinblick auf die Gesetzesrevidierung.» Das neue Gesetz sieht vor, den Hanfmarkt durch strikte Richtlinien zu regulieren. Anbau und Handel sollen nicht legalisiert, doch unter strengen Auflagen toleriert werden.
Doch noch gelten Handel und Konsum von Drogenhanf als illegal und werden geahndet. Die Petition fordert daher, «die Kriminalisierung von Cannabis-Konsumenten endlich zu beenden». Bei der Petitionsübergabe an die Sekretärin der Kommissionen für Rechtsfragen, Christine Lenzen, trugen die rund zwanzig anwesenden Initianten Sträflingskluft. «Damit wollen wir auf die Unverhältnismässigkeit aufmerksam machen», erklärt Willi Blaser. «Wer nur mit einem Joint erwischt wird, dem drohen noch immer Bussen.» Wer mit Hanf handle, laufe sogar Gefahr, im Gefängnis zu landen.
Schwarzmarkt verhindern
Schliesslich fordert die Petition, den Hanfläden rechtsstaatlichen Schutz zu gewähren, weil nur so verhindert werde, «dass sich der Kreis der Hanfkonsumenten wieder mit der harten Drogenszene überschneidet». Der Schwarzmarkt sei seit den Grossrazzien wieder aufgeblüht, erklären die Initianten. Was gerade für Jugendliche Gefahren berge. Willi Blaser: «Viele Jugendliche sind sich nicht sicher, was sie wollen. Sie nehmen, was ihnen hingestreckt wird.»
«Der Schwarzmarkt betreibt keinen Jugendschutz, Hanfläden schon», stand auf einem Transparent der Initianten. In den Berner Hanfläden würden die Duftsäckchen nur ab 18 Jahren abgegeben. Zudem würden die Hanfläden mit Drogenanlaufstellen zusammenarbeiten, sagt Willi Blaser. Und das Personal werde in Kursen geschult, um suchtgefährdete Kunden zu erkennen.
Den Initianten geht es aber auch um die wirtschaftlichen Aspekte. Zahlreiche Arbeitsplätze seien verloren gegangen. «Growland»-Geschäftsleiter Peter Zysset bestätigt: «Seit wir keine Duftsäckchen mehr verkaufen, sind unsere Einnahmen eingebrochen.»
| Bereich: Kundgebungen | Sponsor: hanfarchiv | bearbeitet von: hanfarchiv |