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19.06.2003SüdostschweizFrancesco WeltiTessiner Hanfkrieg ohne Ende

Tessiner Hanfkrieg ohne Ende

Die Tessiner lassen in ihrem Kampf gegen den Hanf nicht locker. Bereits zum 18. Mal seit März wurde am Dienstag eine Razzia durchgeführt. Erstmals griff im Misox auch die Kantonspolizei Graubünden mit ein.

VON FRANCESCO WELTI

18'000 Hanfpflanzen sind am Dienstag in einer gemeinsamen Aktion auf einem Feld in Leggia sowie in Lostallo zerstört worden, teilte die Tessiner Kantonspolizei gestern mit. In Lostallo hatte es die Polizei auf einen Bauernhof abgesehen, auf dem Stecklinge für den Anbau auf dem Feld gezogen wurden. Weitere Details dazu sind im Moment nicht zu erfahren.

Der Krieg gegen das Hanfgeschäft hat im Tessin bereits im Frühling begonnen, und was für die Bündner Polizisten ein aussergewöhnlicher Einsatz war, ist für ihre Tessiner Kollegen schon zum Alltag geworden. Woche für Woche schlägt dort unter der Führung von Staatsanwalt Antonio Perugini eine Truppe von um die 60 Personen zu.

Es wird eine neue Strategie verfolgt

Über 200'000 Hanfpflanzen und drei Tonnen Marihuana beschlagnahmt, 19 Hanfläden geschlossen, 70 Festnahmen: So lautet die vorläufige Tessiner Bilanz. Ein Ende der Razzien ist nicht abzusehen. «Hanfstaatsanwalt» Peruginis Ziel ist es, Drogenhanf ganz aus dem Kanton zu verbannen. Eine neue Strategie soll dazu beitragen. Statt nur Läden zu schliessen, geht die Polizei ebenso ge- gen Produzenten, Vermieter, Treuhänder und Verwaltungsräte des Hanfgeschäfts massiv vor.

Bald kein Gemüse mehr?

Jeder gerauchte Joint ist Perugini ein Gräuel. Und dem süsslichen Geruch begegnet man im Tessin auf Schritt und Tritt, was bei 75 Hanfläden (Ende 2002) kein Wunder ist. Überdies boomt der Drogentourismus aus Italien. Sorgen macht zudem der Anbau von Drogenhanf, der im Südkanton derartige Ausmasse angenommen hatte, dass der Bauernverband fürchtete, bald würde auch der letzte Gemüsebauer der Magadinoebene auf das lukrative «grüne Gold» umsteigen.

Politische Hintergedanken

Die spektakulären Razzien haben jedoch auch eine politische Komponente. In Bern, sagte Perugini zu Beginn der Offensive, sollten sie endlich merken, mit was für Problemen man sich hier herumschlage. Gemeint waren vor allem die Bundesparlamentarier, die über eine Liberalisierung zu entscheiden haben. So überrascht kaum, dass der «Hanfstaatsanwalt» letzte Woche - kurz bevor der Nationalrat darüber debattieren sollte - bei der CVP-Fraktion gegen dieses Ansinnen referierte. Begleitet hat ihn der Tessiner Justizdirektor Luigi Pedrazzini (CVP). Die CVP ist auch die politische Heimat des Polizeikommandanten und von Staatsanwalt Perugini.

Bereich: RepressionSponsor: hanfarchivbearbeitet von: hanfarchiv