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| 08.09.2000 | Der Bund | pim. | Ungeklärte Folgen von Drogen am Steuer |
Ungeklärte Folgen von Drogen am Steuer
pim. Seit Jahren beschäftigt sich die Pompidou-Gruppe - eine Arbeitsgruppe des Europarats - mit der Frage, welchen Einfluss illegale Drogen auf einen Fahrzeuglenker haben. Anlässlich der internationalen Konferenz für Verkehrspsychologie (siehe Kasten rechts) haben führende Wissenschafter und Berater der Pompidou-Gruppe in Bern über den Stand der Forschung diskutiert.
«Das Problem ist, dass wir über die Bedeutung von Drogen im Strassenverkehr zu wenig wissen. Das wird sich auch in naher Zukunft nicht ändern», erklärte Hans-Peter Krüger vom Zentrum für Verkehrswissenschaft der Universität Würzburg. Nicht zuletzt, weil kontrollierte Experimente mit illegalen Drogen schlicht und einfach nicht erlaubt sind. Immerhin: Eine holländische Studie hat Untersuchungen aus dreizehn europäischen Ländern - darunter der Schweiz - verglichen. Sie kommt zum Schluss, dass in Europa 1 bis 5 Prozent aller Fahrzeuglenker illegale Drogen, insbesondere Cannabis und Opiate, konsumieren. Betrachtet man nur die Lenker, die an einem Unfall beteiligt waren, steigt dieser Anteil auf 10 bis 25 Prozent.
Cannabis zeigt keine Wirkung
Klar ist, dass diese nackten Zahlen wenig über die eigentliche Fahrtüchtigkeit aussagen. Hans-Peter Krüger warnte denn auch: «Es gibt keinen Beweis dafür, dass Fahren unter Drogeneinfluss immer und in jeder Situation gefährlich ist. Dies gilt insbesondere für Cannabis.» Dieser Meinung schliesst sich Urs Gerhard von der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel an: «Unter Cannabis gibt es keine erhöhte Unfallgefährdung. Es kann höchstens die gefährlichere Wirkung von Alkohol noch verstärken.» Anders sieht es beim Heroin aus. In einer Studie hat Urs Gerhard mit einem Reaktionsgerät die Fahrtüchtigkeit von Personen untersucht, die sich einer ärztlich kontrollierten Heroinabgabe unterziehen. Als Vergleich dienten Menschen, die seit längerer Zeit Methadon als Heroinersatz konsumieren und eine Gruppe von Menschen ohne Drogeneinfluss.
Ergebnis: Unter Heroineinfluss war die komplexe Wahrnehmung, etwa von Verkehrszeichen, stark verlangsamt und das Verhalten im Verkehr stark eingeschränkt. So konnten sich die Probanden neben dem Lenken des Fahrzeugs nur noch schlecht auf Fussgänger konzentrieren. Methadon hingegen zeigte keine negativen Effekte. Damit ist für Urs Gerhard klar: «Teilnehmern des Heroinprogramms muss der Fahrausweis entzogen werden.»
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