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| 12.11.2003 | Südostschweiz | Barbara Tänzler | Vernichtet und vergessen? |
Vernichtet und vergessen?
Verfahren gegen Hanfbesitzer T. wurde eingestellt, die Pflanzen beseitigt
Vor einem Jahr beschlag-nahmte die Glarner Polizei in Hätzingen 846 Hanfpflanzen. Der Verdacht, dass diese für den Drogenkonsum bestimmt waren, konnte aber nicht nachgewiesen werden. Das Verfahren wurde eingestellt.
VON BARBARA TÄNZLER
T.* erinnert sich ungern an die Zeit von Mitte Oktober letzten Jahres bis Ende Mai. Damals stand er im Visier der Glarner Polizei respektive des Verhöramtes. «Mein Leben wurde von A bis Z durchleuchtet», sagte er gestern zur «Südostschweiz». Die ständigen Beschuldigungen hätten ihn stark belastet und gestresst.
Ein halbes Jahr lang versuchten Beamte der Kantonspolizei nachzuweisen, dass T. Hanfpflanzen gelagert hatte, die für Drogenkonsum bestimmt waren. Der Nachweis wurde nicht gefunden. «Ende Mai haben wir darum das Verfahren gegen T. eingestellt», sagte Verhörrichter Markus Denzler am Montag auf Anfrage.
Alles Drogen oder was?
846 Hanfpflanzen hatte T. Anfang Oktober 2002 in eine Lagerhalle in Hätzingen gebracht, um sie dort trocknen zu lassen. Nur wenige Tage später wurden diese von der Polizei beschlagnahmt. Sie wogen laut Polizei 460 Kilo. Das Trockengewicht schätzt T. auf rund 100 Kilo.
T. beteuerte bereits damals gegenüber der «Südostschweiz», dass die Pflanzen ausschliesslich für kosmetische Zwecke bestimmt seien. Mittels eines Destillationsverfahrens sollte aus den Pflanzen ätherisches Öl hergestellt werden, das die Kosmetikfirma Shan für Parfüm verwerten wollte.
Polizeikommandant Dr. Roy Kunz sah das anders: «Es handelt sich zweifellos um Drogenhanf.»
Nur stellt sich die Frage, wann es sich heutzutage um Drogenhanf handelt. Das Betäubungsmittelgesetz spricht hier eine klare Sprache: Jede Pflanze mit einem höheren THC-Wert als 0,3 Prozent.
«Wer will das noch rauchen?»
Die Realität sieht ganz anders aus. Die Skala der THC-Werte hat sich in den letzten Jahren radikal nach oben verschoben. Die Zeiten, in denen Gras mit THC-Werten von 1,5 bis 6 Prozent geraucht wurden, sind längstens vorbei. Bereits vor einem Jahr berief sich die Sendung «Kassensturz» des SF DRS auf Schweizer Untersuchungen, die von Durchschnittswerten zwischen 20 und 30 Prozent sprechen. Kurz: Wer kifft, mag es konzentriert.
Der Hanf von T. wurde vernichtet, wie Markus Denzler bestätigte. Der THC-Wert war zu hoch. T. spricht von einem nachgewiesenen THC-Wert von 3 Prozent und fragt: «Wer will das heute noch rauchen?»
Das Ende der Geschichte: T. hat zwar das Verfahren vom Hals, doch seinen ganzen Hanf verloren. Dazu kommen die Gerichts- und Anwaltskosten, die er übernehmen musste. «Ich konnte noch mal bei Null anfangen», sagt T. heute ohne Groll. Er habe sich aber beruflich neu orientiert. Die Firma Shan habe inzwischen das Parfüm produziert. Das dazu notwendige Öl wurde einfach «extern» geliefert. T. selber ist die Lust an Hanf Hegen und Pflegen offenbar gründlich vergangen.
* Name der Redaktion bekannt.
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