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| 11.10.2000 | Schaffhauser Nachrichten | Hey. | Schaffhausens dichtes Händlernetz ist ein Eldorado für zahlreiche Kiffer |
Schaffhausens dichtes Händlernetz ist ein Eldorado für zahlreiche Kiffer
Cannabis ist in Schaffhausen problemlos erhältlich. Die Kiffer gehören an einigen Orten sogar schon fast zum Stadtbild.
Die Schaffhauser Cannabisszene erlebte in den letzten Jahren goldene Zeiten. Die Haschischraucher werden von der Gesellschaft immer mehr akzeptiert, und Bemühungen für eine Liberalisierung sind im Gang. Selbst die Polizei hält sich mit Kontrollen offenbar zurück. Und Cannabisprodukte sind auf dem Schaffhauser Schwarzmarkt mehr als genügend vorhanden.
Wenn man Cannabiskonsumenten fragt, wie sie ihre Situation im Kanton einschätzen, dann hört man oft dieselbe Antwort: Die Situation sei zwar nicht «perfekt», Schaffhausen sei aber einer der angenehmsten Kantone für die Hanffreunde. Ein Cannabiskonsument meint auf Anfrage sogar: «Schaffhausen ist ein Eldorado für Kiffer.»
Kiffer werden kontrolliert
Natürlich muss man aber auch in Schaffhausen als Hanfraucher ständig auf der Hut sein. Dazu Hanspeter Strasser von der Schaffhauser Polizei: «Wir konzentrieren uns zwar auf die Kontrolle des harten Drogenhandels, wenn wir aber Besitzer von weichen Drogen erwischen, werden sie auch registriert oder angezeigt.»
Trotzdem soll es aber auch vorkommen, dass die Kiffer von den Polizeipatrouillen laufen gelassen werden. Ein Marihuanaraucher dazu: «Ich rauche nun seit sechs Jahren Marihuana. In dieser Zeit wurde ich viermal von der Polizei kontrolliert. In drei Fällen hatte ich Gras dabei. Angezeigt wurde ich aber nur einmal. In zwei Fällen hat mir die Polizei das Gras einfach abgenommen und mich dann weggeschickt.»
Razzien der Polizei
Gleichwohl: Die Polizei ist im Bereich Drogenhanf nicht untätig. Als vor Wochenfrist in Ossingen von der Zürcher Polizei mehrere Tonnen an Hanfpflanzen konfisziert wurden, hat die Schaffhauser Polizei gleichzeitig eine Razzia in einem städtischen Hanfshop durchgeführt. Diese Aktionen haben allerdings nur einen geringen Einfluss auf den Schaffhauser Markt.
Ein Szenekenner meint: «Die meisten Händler in Schaffhausen haben ihre Ware nicht aus Ossingen. Wenn einer von Ossingen beliefert wurde, dann hat er jetzt vielleicht ein kleines Problem, andere Bezugsquellen sind aber schnell gefunden.»
Händlernetz in der Stadt
Nach Informationen aus der Cannabisszene ist Schaffhausen von einem dichten Hanfhändlernetz überzogen. Die Hanfläden sind dabei anscheinend nur die Spitze des Eisberges und werden vor allem von jüngeren Kiffern aufgesucht, die die Schaffhauser Szene noch nicht gut kennen. «Hanfprodukte kann man in Schaffhausen an zahlreichen Orten jederzeit kaufen oder sogar bequem von zu Hause aus bestellen», berichtet ein Hanffreund.
Wie gross die Zahl der Cannabiskonsumenten in Schaffhausen ist, weiss man nicht. Verlässliche lokale Untersuchungen gibt es nicht. Ein Bericht der Eidgenössischen Kommission für Drogenfragen nennt folgende Zahlen: 1998 haben rund 685 000 Schweizer im Alter zwischen 15 und 39 Jahren im Jahr der Umfrage mindestens einmal Cannabis konsumiert. Das entspricht fast zehn Prozent der Schweizer Wohnbevölkerung.
Auch im Kanton Schaffhausen muss man wohl mit einem ähnlichen Prozentsatz rechnen, da hier wahrscheinlich nicht mehr oder weniger gekifft wird als in anderen Kantonen.
Ebenfalls im Jahre 1998 wurden in Schaffhausen 100 Personen wegen Cannabisbesitzes verzeigt. Diese Zahl stieg im Jahre 1999 wegen der Räumung der offenen Drogenszene in der Repfergasse auf 290 Verzeigungen. Die meisten Hanfraucher kommen mit der Polizei demnach gar nicht in Kontakt.
Auch Verbesserung gebracht
Die Schliessung der offenen Drogenszene hat den Kiffern überraschenderweise auch einige Verbesserungen gebracht. Viele Cannabiskonsumenten werden nicht gerne mit den harten Drogen wie Kokain, Heroin oder LSD in Verbindung gebracht. Früher wurde von den Dealern in der Repfergasse auch Haschisch und Marihuana verkauft. Das hat dazu geführt, dass auch viele Jugendliche auf der Gasse Cannabis bezogen haben und so mit der harten Drogenszene in Verbindung kamen. «Hanf wirkt nur dann als Einstiegsdroge, wenn das entsprechende soziale Umfeld vorhanden ist», meint ein Schaffhauser Kiffer. «Darum bin ich froh, dass die Jugendlichen nicht mehr in die harte Drogenszene müssen, um ihr Cannabis zu kaufen.»
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