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| 04.07.2000 | Berner Zeitung | Stefan Aerni | Hanfbauer sieht sich als Opfer der Justiz |
Kreisgericht Aarwangen
Hanfbauer sieht sich als Opfer der Justiz
Der Schwarzhäuser Hanfbauer bereitet dem Kreisgericht Kopfzerbrechen: Der Staatsanwalt fordert 15 Monate Gefängnis, die Verteidigung plädiert auf Freispruch. Das Urteil soll heute verkündet werden.
Stefan Aerni
Der Mann, der als einer der grössten Berner Hanfbauern bekannt wurde und jetzt vor dem Kreisgericht sitzt, hat so gar nichts «Gefürchiges» an sich. Obwohl gute 1,90 Meter gross und von fester Statur, wirkt er ziemlich klein, hilflos und fahrig. Er sieht sich als Opfer einer unverständlichen Justiz. «Zwei Jahre habe ich vergeblich gearbeitet», sagt der 33-Jährige, «das geht an meine Existenz.»
Bruch nach der Lehre
Allerdings hatte Roman Tichacek, so heisst der angeklagte Hanfbauer, nie eine wirkliche Existenz. Der gebürtige Tscheche kam 1971 mit seinen Eltern in die Schweiz. Im Kanton Zürich durchlief er die Schulen («ich war nur ein mittelmässiger Schüler»). Später begann er im Architekturbüro seines Vaters eine Hochbauzeichnerlehre. Doch der erfolgreiche Abschluss blieb ihm versagt, er rasselte an der Prüfung durch. Offenbar der Bruch im Leben des jungen Roman T. Fortan jobbte er sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Als vor gut zehn Jahren der Eiserne Vorhang fiel, versuchte der gebürtige Tscheche sein Glück im Autohandel mit dem Ostblock.
In diesem «Business» lernte er irgendwann Mitte der Neunzigerjahre einen Oberaargauer kennen. Dieser baute in Kleindietwil Hanf an und brachte den gescheiterten Zeichner auf den Geschmack: Mit dem sagenumwobenen Kraut lasse sich gut Geld verdienen.
Also beteiligte sich Roman Tichacek - mit 20 000 Franken seines Vaters - an der Firma. Hier lernte er das Handwerk - und wurde nach eigener Darstellung alsbald betrogen: «Ich musste arbeiten, der andere kassierte.» Es kam zur Trennung. Danach machte sich Tichacek selbstständig: In Schwarzhäusern mietete er sich in zwei Gewächshäusern einer alten Gärtnerei ein und baute Hanf an in grossem Stil.
Doch auch hier währte sein Glück nicht lange: Ein Nachbar verpfiff ihn bei der Polizei. So kam es 1999 zu drei Razzien. Dabei beschlagnahmten die Behörden 6000 Hanfpflanzen mit einem Gewicht von 1,5 Tonnen - die bisher grösste Menge im Kanton Bern (die BZ berichtete). Der Verdacht: Tichacek habe den Hanf angebaut, um daraus Drogen (bekannt als Cannabis oder Haschisch) herzustellen und zu verkaufen.
Schwierige Beweislage
Dass dies trotz klar scheinender Indizien - der beschlagnahmte Hanf war auf Grund seines THC-Gehalts zur Drogengewinnung geeignet (siehe Kasten) - nicht einfach zu beweisen ist, muss jetzt an der Gerichtsverhandlung auch Staatsanwalt Walter Wyss eingestehen. Für ihn ist es eine «Kardinalfrage», was der Angeklagte mit dem Hanfanbau beabsichtigte.
Für Roman Tichacek und seinen Verteidiger ist das allerdings keine Frage: Lauter legale Produkte herstellen - Hanfkissen, Zierpflanzen und Duftsäckli. Was die Käufer mit dem erworbenen Hanf allenfalls sonst noch anstellten, dafür sei der Anbauer nicht mehr verantwortlich.
«Eine umstrittene Auffassung», so der Staatsanwalt. Heute Dienstag will das Kreisgericht unter dem Vorsitz von Fritz Aebi das Urteil fällen.
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