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| 21.03.2001 | Berner Zeitung | Corinne Boborodea | Ein Buch schützt vor Drogen |
Drogenprävention in Berner Schulen
Ein Buch schützt vor Drogen
Ohne Warnfinger, jedoch mit Hintergrundwissen: Das ist das erklärte Ziel der Drogenprävention in Berns Schulen. Auf dem Weg dazu unterstützt ein neues und in dieser Art einmaliges Handbuch die Lehrkräfte.
Corinne Boborodea
Bisher fehlte im pädagogischen Bereich ein aktuelles Handbuch über die illegalen Drogen. Die Lehrkräfte konnten kein Hintergrundwissen vermitteln, sondern höchstens versuchen, abzuschrecken. Dem hat der Berner Lehrmittel- und Medienverlag (BLMV) jetzt Abhilfe geschaffen. Zusammen mit der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme sowie dem Verlag an der Ruhr hat er das Nachschlagewerk «Drogen» herausgegeben.
Alle Aspekte beleuchten
Auf 304 Seiten beleuchten 24 renommierte Autorinnen und Autoren die Zusammensetzung und Wirkung verschiedener Drogen, die medizinischen Aspekte sowie verschiedene Erklärungsmodelle von Sucht, Suchtwirkung und Verbreitung. Auch den psychischen Störungen, der Vorsorge und dem Entzug mit seinen verschiedenen Behandlungsformen wird Rechnung getragen. Neben illegalen werden zusätzlich legale Suchtmittel wie Alkohol und Nikotin mit einbezogen. Mitautor und Herausgeber Waldemar Ulrich weiss, warum: «In der Schweiz sterben jährlich 9000 Personen an den Folgen des Rauchens.» 3500 seien es wegen Alkohol und 200 wegen illegaler Drogen. Demgegenüber stünde kein einziger, der infolge Cannabis-Konsums starb, so Ulrich.
Umdenken in Schulen
«Die Prävention hat in unserer Gesellschaft und in der Politik nicht den Stellenwert, den sie haben sollte», betonte Bildungsdirektorin Edith Olibet am Montagabend vor den Medien. Die Stadt Bern setzt in erster Linie auf eine Gesundheitsförderung durch Selbstverantwortung und unterstützt sie mit sachlichem Hintergrundwissen, das nun vom Lehrpersonal im Buch «Drogen» erworben werden kann. Nur wer informiert sei, könne aktiv Strategien zur Stärkung der Gesundheit und suchthemmender Faktoren entwerfen, sagte Olibet. Dennoch gebe es bei der Akzeptanz einige Probleme, wenn dieses Hintergrundwissen von Erwachsenen vermittelt werde. «Die Jugendlichen wollen sich von älteren Generationen bewusst abgrenzen und tun dies häufig auch mittels Drogen», so Olibet. Deshalb sei es sinnvoll, Gleichaltrige für die Wissensvermittlung einzusetzen.
In der Stadt Bern gibt es Projekte wie zum Beispiel «Dät`s it», bei dem jeweils zwei Achtklässler in einem einwöchigen Lager zu den Themen «Alkohol/Tabak» und «illegale Drogen» ausgebildet werden. Anschliessend informieren sie ihre Klasse. Die Akzeptanz sei so bei den Mitschülern viel höher. Neu wird das Projekt auch auf die 7. Klasse ausgedehnt, da diese Informationen die Klasse erreichen sollen, bevor die Mehrheit der Klasse zu rauchen beginnt.
Das Buch «Drogen. Grundlagen, Prävention und Therapie des Drogenmissbrauchs» ist beim Berner Lehrmittel- und Medienverlag BLMV zum Preis von 54 Franken erhältlich.
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