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08.05.2002Berner ZeitungChristine NydeggerDer Hanffreund und seine verschuldeten Kuriere

Kreisgericht Schlosswil

Der Hanffreund und seine verschuldeten Kuriere

Gras und Hasch aus Holland. Zuerst fuhr der Chef selber, danach setzte er seine Kuriere ein: Junge Männer, die er meist am Arbeitsplatz kennen lernte, und die in Geldschwierigkeiten steckten.

Christine Nydegger

Er sei ein Hanffreund, so wie andere Weinfreunde sind. Nie habe er viel Geld mit dem Verkauf von Gras und Haschisch verdienen wollen. Die fast 200 Kilogramm Gras, 11,6 Kilo Haschisch und 5 Kilo Psylocibin-Pilze habe er quasi zum Selbstkostenpreis verkauft. Der Hanffreund führte die Ware anfangs selber aus Holland ein. «Ich berechnete den Preis nach dem Ankauf und nach den Spesen», erläuterte er seine noble Haltung gestern gegenüber dem Kreisgericht in Schlosswil. Ja er ging noch weiter: Er habe Junge von härteren Drogen weggebracht, indem er sie bei sich zu Hause beraten habe und ihnen den Konsum von Gras schmackhaft machen konnte.

Von seinem Tun erfuhren bald auch Arbeitskollegen im Betrieb im Kiesental. Und sie wollten ebenfalls einsteigen. «Alle, die für mich Ware aus Holland holten, waren in Geldschwierigkeiten», erklärte der Hanffreund dem Gericht. Und weil er ihnen 1000 Franken pro eingeführtes Kilo Gras oder Hasch bezahlt habe, hätten sie ihre Schulden zurückzahlen können.

Kuriere aus der Firma

Eine Firma in der Firma, so könnte das «Unternehmen» Hanf-Einfuhr genannt werden. Nur einer der Kuriere arbeitete nicht beim gleichen Arbeitgeber. Doch seine Frau war im Kiesentaler Betrieb mit von der Partie.

Heute wollen weder der Hanffreund noch die Kuriere genau Bescheid wissen über Menge und Preis. «Das weiss ich nicht mehr, dass ist viel zu lange her», ist eine vielgehörte Antwort. Und sie können sich mit Recht auf die Zeit berufen. Denn am 11. Mai 1998 wurden sie in Untersuchungshaft genommen. Seither vergingen vier Jahre.

Das Urteil fällt heute

Hat der Hanffreund wirklich so selbstlos gehandelt, wie er dies jetzt vor dem Kreisgericht darstellt. Wie viel haben die Kuriere wirklich verdient? Und wer hat wie viel verkauft. Diese Fragen muss das Gericht beantworten. Das Urteil fällt heute.

Bereich: Prozesse/UrteileSponsor: hanfarchivbearbeitet von: hanfarchiv